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Das Erbe des Ersten und Zweiten Weltkrieges

Im 20. Jahrhundert hat Lettland zwei Weltkriege erlebt, und diese tragische Zeit hat viele Spuren hinterlassen. Zu besichtigen gibt es sowohl erneuerte Schützengräben und echte Panzer, als auch Grabstätten von Soldaten und Ehrenstätten im ehemaligen Konzentrationslager.

Kriegsmuseum

Eine Einsicht über die Kriegszeit in Lettland erhalten Sie im Zentrum von Riga, in dem sich in der Altstadt befindlichen Kriegsmuseum im Pulverturm. „Die Autoren der Exposition sprechen nicht darüber, welche Seite „Recht” hatte. Die Besucher werden dazu angeregt, sich selbst ein Bild davon machen, dass keine der beiden Okkupationsmächte im Recht war.” Dies ist die Einstellung zum Zweiten Weltkrieg der Museumsmitarbeiter.

Im Mittelpunkt der Ausstellung, die dem Zweiten Weltkrieg gewidmet ist, steht der Mensch. Waffen, Dokumente und Mannequins stellen nur eine Ergänzung dar. Auf gleiche Weise schockierend sind sowohl die Fotos der in Gefangenenlagern an Hunger sterbenden Soldaten der Roten Armee, als auch die zur Erschießungsstelle gebrachten jüdischen Frauen. Es gibt Fotos, die die verwirrten Gesichter der in die Rote Armee einberufenen letgallischen Jungen zeigen und Fotos, die die stolzen Blicke der Einberufenen in die Legion zeigen. Eine umfangreiche Exposition ist auch dem Ersten Weltkrieg gewidmet. Nachdem Russland von Deutschland angegriffen wurde, erlaubte der russische Zar Bataillone bestehend aus lettischen Schützen zu gründen, die später die Grundlage der Armee des unabhängigen Lettlands bildeten.

Die Zeugnisse des Ersten Weltkrieges

Die Zeugnisse vom Ersten Weltkrieg sind auch in Tīreļpurvszu sehen. Dort begannen am 5. Januar 1917 die Weihnachtskämpfe, die sechs Tage lang dauerten (nach dem alten Kalender von 23. bis zum 29. Dezember 1916). Die lettischen Schützen bewältigten damals die deutsche Befestigung und jagten die deutschen Soldaten aus ihren Positionen. Dies war die größte, russische militärische Operation des Ersten Weltkrieges, die für die lettischen Schützen äußerst tragisch endete - es fielen fünftausend Soldaten. Beim Museum der Weihnachtskämpfe in Ložmetējkalns wurde ein Teil des deutschen Befestigungswalls erneuert. Im Museum selbst sind Waffen und Alltagsgegenstände der Soldaten zu sehen. Besonders interessant ist das Modell von Tīreļpurvs, das die damaligen Positionen zeigt.

Die Zeugnisse des Zweiten Weltkrieges

1944 und 1945 verliefen in Kurland harte Kämpfe. Hier kämpfte die lettische Legion zusammen mit der deutschen Armee gegen die Rote Armee, oft auch gegen eigene Landsleute. Für viele Letten war die Entscheidung, auf der deutschen Seite zu kämpfen, erzwungen, da ansonsten die deutschen Soldaten mit ihren Familien abgerechnet hätten. Viele wollten nicht zulassen, dass sich das Jahr der sowjetischen Schreckensherrschaft noch einmal wiederholt.

Am 8. Mai 1945 wurde auf dem Plāņu-Gut, drei Kilometer von Zante entfernt, von den Kommandeuren der Legion und der Roten Lettischen Gewehrschützen eine Kapitulationsakte unterzeichnet. Am 7. Mai 1945 wurden zwischen Saldus und Kandava die letzten Schüsse abgegeben. Die lettischen Legionäre legten die Waffen ab (oder flohen in die Wälder) und erst danach konnte sich die Sowjetarmee als Sieger bezeichnen.

In der Gemeinde Zante, an der ehemaligen Frontlinie, ist ein einmaliges Museum der Kurland-Festung errichtet worden. Es ist ein privates Museum, das von seinem Inhaber, Ilgvars Brucis, gegründet wurde. Seit 2008 befindet sich dieses Museum auf der Liste des europäischen Kulturerbes. I. Brucis hat seit seiner Kindheit Kriegs- und Geschichtszeugnisse gesammelt. Unter seiner Leitung wurden ein Deckungsgraben und ein Offizier-Bunker erneuert. Im Sommer können die Touristen dort sogar übernachten. Im Museum gibt es Waffen aus beiden Weltkriegen - Bajonetten, Gewehre und Pistolen, sowie die Ausrüstung der Offiziere. Alle Gegenstände sind auch genau benannt worden. Für jede Armee wurde ein einzelnes Zimmer eingerichtet - für die deutsche Armee und die Rote Armee, für die Legionen und für die Armee des heutigen Lettlands. Alles ist echt, es handelt sich nicht um Nachahmungen.

„Dieses Glas und der Eierbecher wurden in einem Bunker gefunden, daraus hat bestimmt ein deutscher Offizier lettische Eier gegessen”, lächelt Brucis. Im Außenbereich des Museums finden Sie den Panzer „IS – Josef Stalin” und eine Kanone. Ein wertvoller Fund sind die Überreste eines in Kurland abgeschossenen Flugzeugs (IL-2) der Roten Armee. Die darin gefundenen menschlichen Überreste eines Piloten und eines Schützen wurden beerdigt. „Soldat bleibt Soldat, egal, in welcher Armee er gekämpft hat. Die Gefallenen müssen begraben werden”, betont Brucis. 

Die Geschichte des Zweiten Weltkrieges kann man auch im Kampfmuseum  More bei Sigulda kennen lernen. Durch diesen Ort verlief damals die sogenannte Verteidigungslinie von Sigulda. Dies war der letzte Ort, an dem die deutsche Armee und die lettischen Legionen bei bitteren Kämpfen Rīga verteidigten. In der Nacht auf den 6. Oktober 1944 haben sie sich zurückgezogen. Im Museum befinden sich ein Modell der More-Kämpfe, eine Sammlung der Gegenstände aus der Kriegszeit, Waffen und ein sowjetischer Panzer, der berühmte T–34.

Das Konzentrationslager Salaspils

Ein düsteres Zeugnis des Zweiten Weltkrieges befindet sich unweit von Rīga - das von den Nazis errichtete Lager Salaspils. In den Jahren 1941 und 1942 wurden dort ca. 1 000 Juden gefangen gehalten, die schließlich hingerichtet wurden. Später diente es als Lager für diejenigen, die für das sowjetische Regime tätig waren, für Deserteure der deutschen Armee und für Kriminalverbrecher. Besonders tragisch war die Verbannung vieler Familien aus Weißrussland. Für die Unterstützung der Partisanen haben die deutschen Soldaten ihre Dörfer abgebrannt und die Familien, auch mit Kindern, in das KZ von Salaspils gebracht. Laut der Meinung der Historiker sind in Salaspils etwa 2 000 Menschen (darunter mehr als 600 Kinder) gestorben. Der Hauptgrund dafür waren die unmenschlichen Lebensbedingungen. Zu ihrem Gedenken wurde in dem ehemaligen KZ eine Gedenkstätte mit vielen eindrucksvollen Skulpturen erbaut, die größte ihrer Art in Europa.  

Soldatengräber

In Lettland gibt es viele Soldatengräber, in denen die Gefallenen auf beiden Seiten begraben liegen. In Lestene, im Kreis Tukums, gibt es einen Brüderfriedhof der lettischen Legionäre. Dort sind an einem Ort ca. 1 000 Soldaten aus ganz Lettland beerdigt worden. In die Wand sind Namen von 11 000 Gefallenen eingraviert worden. Die zentrale Gestalt des Friedhofs ist die Heimat-Mutter Lettland. Wie schon gesagt wurde, die Letten haben weder freiwillig noch gerne in der deutschen Armee gekämpft. Es war eine Einberufung durch Gewalt, denn es wurde mit Repressionen gedroht. Dazu haben viele gehofft, dass es später mit der Unterstützung der Verbündeten gelingt, die Unabhängigkeit wieder zurück zu gewinnen. Das Ziel der Legion war keinesfalls Hitlers Sieg in Europa.

An vielen Orten in Lettland gibt es Brüderfriedhöfe der Soldaten der Roten Armee. Auch Friedhöfe der deutschen Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg sind erhalten geblieben.  

Der eindrucksvollste militärische Friedhof ist der im Jahre 1936 geweihte Brüderfriedhof in Riga mit der Mutter Lettland als der zentralen Gestalt. Hier brennt das ewige Feuer und hier sind die in den Jahren 1918 bis 1920 im Ersten Weltkrieg und in den Freiheitskämpfen gefallenen Soldaten begraben. Die ersten Gräber stammen aus dem Jahr 1914.

Der Autor des Monuments ist der Bildhauer Kārlis Zāle, der auch das Freiheitsdenkmal in Stadtzentrum von Rīga geschaffen hat. Hier am Brüderfriedhof, werden jährlich am 8. Mai von der lettischen Regierung Blumen hingelegt, zu Ehren des Niederschlagens des Nazismus in Europa und zum Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkrieges.