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Das Militärerbe

Auf dem Gebiet Lettlands haben viele Kriege stattgefunden. Hier waren deutsche Kreuzritter, das Land wurde von den Armeen der russischen Zaren Ivan „des Schrecklichen” und Peter des Großen verwüstet. Auf lettischem Gebiet haben der schwedische König Gustav XII und seine Armee gekämpft. Über Lettland marschierte Napoleon Richtung Moskau.... Das größte Erbe der militärischen Geschichte haben jedoch die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts hinterlassen. In Lettland sind interessante Zeugnisse der sowjetischen Okkupation und des Kalten Kriegen zu sehen.

  • Otrā pasaules kara laika tanks
  • Līgatnes pazemes bunkurs
  • Līdumnieku kara muzejs
  • II pasaules kara muzejs

Mittelalterliche Befestigungen, Festungen aus dem 18. und 19. Jh., Kriegsstätten des Ersten und Zweiten Weltkriegs, geheime Militärobjekte des Kalten Krieges, auf Westeuropa gezielte Atomraketen, dies alles kann man in Lettland sehen. In den lettischen Wäldern und Sümpfen sind noch immer verrostete Waffen und sogar Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg zu finden. Beispielsweise wurden 1999 aus einem Sumpf in Džūkste von den Fans der Kriegsgeschichte zwei Panzer der Roten Armee herausgezogen. Bei einem Panzer konnte sogar noch der Motor gestartet werden.

Die Reisenden, die sich für Geschichte interessieren, müssen nicht unbedingt Sümpfe und Wälder erkunden. Die Zeugnisse der Kriegsgeschichte sind in Museen zusammen gestellt worden, beispielsweise können echte Panzer und andere Waffen im kurländischen Festungsmuseum Zante angesehen werden. Dieses Museum wurde in das europäische Kulturerbe aufgenommen. Im Zentrum von Riga befindet sich das Kriegsmuseum mit interessanten Ausstellungen. Näheres über die Kämpfe im Ersten Weltkrieg kann man in dem sich unweit von Riga befindlichen „Museum der Weihnachtskämpfe” in Tīreļpurvs erfahren.

Ein eindrucksvolles Militärerbe haben beim Verlassen des Landes die sowjetische und später die russische Armee hinterlassen. Dies kann in Irbene, einem unweit des Kurländischen Strandes befindlichen Ort, besichtig werden. In dem ehemaligen geheimen Objekt sind heutzutage Astronomen zu Hause. Während des Kalten Krieges hat dort das Militär mit Radargeräten die NATO-Länder ausspioniert und Gespräche abgehört. Heutzutage sind die Anlagen in Radioteleskope umgewandelt worden, um für Forschungszwecke zu dienen.

Ein interessantes Objekt ist die ehemalige Militärsiedlung bei Skrunda. Hier befand sich eine Radaranlage der Sowjetarmee. Diese kontrollierte, ob es am Himmel keine feindlichen Raketen gibt. 1995 wurde das riesige Gebäude der Radaranlage, von denen es weltweit nur einige wenige gibt, feierlich in die Luft gesprengt. 1998 hat die sowjetische Armee Skrunda und ganz Lettland vollständig verlassen. Seit dieser Zeit steht die Kleinstadt leer.

Während des Kalten Krieges wurden in Lettland für den Fall eines Atomangriffs viele Schutzbunker gebaut. Der größte und bedeutendste ist der Bunker in Līgatne. Dieser ist sehr gut erhalten und kann von Besuchern besichtigt werden. 

In Rudbārži, Vaiņode, Eleja, Tērvete und an anderen Orten sind die sowjetischen Stationierungsorte für Atomraketen zu besichtigen, bzw. das, was von ihnen übrig geblieben ist. Von hier aus wären die Raketen im Falle eines Krieges nach Westeuropa geflogen... Dies sind keine gut ausgewählten Reiseziele, beim Besuch solcher Orte ist Vorsicht geboten.

Beeindruckende Zeugnisse der Militärgeschichte gibt es im Kriegshafen von Liepāja, wo die Seekriegsflotte schon während der Regierungszeiten des Zaren, an der Wende des 19. und 20 Jh. zu Hause war. Auch zu sowjetischen Zeiten befand sich hier der Stützpunkt der Baltischen Seekriegsflotte. Im Kriegshafen von Liepāja kann Geschichte „live” erlebt werden - das Gefängnismuseum bietet eine Attraktion für alle mutigen Besucher an: „24 Stunden in der Rolle eines sowjetischen Soldaten”.