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Einzelhöfe

Für die Architekturliebhaber wird sicherlich die Landschaft von Lettland als interessant erscheinen, wie die auf dem Land im 18., 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts ausgesehen hat. Damals lebte ein grosser Teil der lettischen Landleute auf den Einzelhöfen – in sich geschlossenen Landhöfen. Die Einzelhöfe sind die Wiege des Lettentums und die Schatztruhen der traditionellen Kultur. Sie haben eine besondere Atmospäre, in der Menschen im Einklang mit der Natur leben.

Früher verlief das Leben der gesamten Familie auf dem Einzelhof, eine Generation wechselte die andere ab und noch vor hundert Jahren haben die lettischen Bauern fast alles für ihr Leben auf ihren Einzelhöfen hergestellt. Obwohl das Sowjetregime und die Zwangskollektivierung in der Nachkriegsziet viele Menschen gezwungen hatte, ihre Einzelhöfe zu verlassen, und viele Häuser einfach weggetragen wurden, weil man den Boden für die weiten Felder der Kolchose benötigte, sind in Lettland noch relativ viele Einzelhöfe erhalten geblieben. Für den Bau der Gebäude auf den Eizelhöfen wurde traditionell Holz verwendet, für das Dach – Strohhalme, feine Holzplatten oder Schilf. Das ist kein feuerfestes Material, darum waren etwas weiter gebauten Gebäude viel sicherer im Brandfall. Das Dampfbad wurde immer weiter weg von anderen Gebäuden gebaut.

Die alten lettischen Bautraditionen und Eigenheiten der Einzelhöfe aus verschiedenen Gegenden von Lettland kann man auf einem Gelände im Ethnographischen Freilichtmuseum in Riga besichtigen. In einem Wald am Ufer des Jugla-Sees sind alte Häuser aufgestellt, die aus verschiedenen Gegenden hierhergebracht wurden. Einige Gebäude sind mit Hilfe der alten Werkzeuge und nach früherer Bauweise erneuert worden. Für die Einzelhöfe von Lettland ist charakteristisch, dass sie aus mehreren Gebäuden bestehen, von denen jedes eine eigene Funktion erfüllt. Zum Beispiel – Stall, Getreidespeicher, Wohnhaus, Dampfbad. Ein obligatorischer „Zusatz” an jedem Haus waren die Sträuche und Blumenbeete.

Auf der Insel Dole im Daugava-Museum kann man einen alten Daugava-Fischerhof „Mellupe” besichtigen, die Fischerhäuser von Kurzeme kann man in Ventspils, im Freilichtmuseum sehen. In der Filiale des Museums der Stadt Jēkabpils „Sēļu sēta” kann man die Denkmäler der Volksbauten besichtigen. In der Gemeinde Vijciems, das sich im Gebiet von Valka befindet, kann man den alten Einzelhof „Bebriņas” besichtigen. Auf den Einzelhöfen, die ihr weiteres Leben geschützt in den Museen führen, kann jeder viel Interessantes über das Leben und die Traditionen auf den Einzelhöfen erfahren. Nicht umsonst sind das anerkannte Plätze für das Feiern der traditionellen Feste.

Vielerorts leben die alten Einzelhöfe ihr natürliches Leben und hier werden auch Gäste empfangen. Unter denen gibt es Einzelhöfe, die nach alten Bautraditionen gebaut wurden und interessante Sehenswürdigkeiten sind. Diese sieht man am besten, wenn mann ohne Eile durch Lettland reist. Zum Beispiel auf dem Einzelhof „Spērveles”, der sich in der Gegend von Kuldīga in der Gemeinde von Renda befindet und am Ufer der Abava liegt, wurde das im Jahr 1914 gebaute Holzhaus nach den Traditionen von Kurzeme erneuert und die Hauswirte Dainis und Aivars Šēniņi freuen sich auf die Gäste und haben sich im Umwelttourismus spezialisiert. Im alten Backofen wird das traditionelle Brot von Kurzeme gebacken, der Hauswirt braut ein schmackhaftes Bier.

Auf vielen Einzelhöfen sind Gästehäuser eingerichtet worden. Man muss jedoch zugeben, dass nicht jedes Haus wie ein Blockhaus ähnlich den Häusern aus dem Freilichtmuseum aussieht und wo für die Balkenbefestigung nur Holzdiebel verwendet wurden. Das moderne Material und die moderne Bauweise sind auch in der Bauweise auf dem Land zu sehen.

In Latgale, im Osten von Lettland, haben sich vielerorts kleine Dörfer erhalten, weil in dieser Region früher Menschen nicht auf den Einzelhöfen, sondern zusammen in kleinen Dörfern lebten. Das berühmteste Dorf ist das Altgläubigen Dorf Slutišķi, das unbedingt zu sehen ist, wenn man die Daugava-Mäander besichtigen fährt. In den historischen Dokumenten wurde Slutišķi-Dorf schon im Jahr 1785 erwähnt. Seit der Zersplitterung der Kirche in Russland leben hier Starovery und pflegen ihr Glauben der Altorthodoxie. Für die Holzarchitektur der Altgläubigen sind prachtvolle Fensterrahmen, verzierte Türen und schöne Fassaden charakteristisch. Jedes Haus ist ein einzelnes Meisterwerk.