Ein anderes heidnisches Fest wird durch Balkenziehen gefeiert. Das ist ein heidnisches Weihnachtsfest, auch Balkenabend genannt. Im Februar wird Meteni gefeiert, und im Frühling, zu Ostern mangelt es nicht an alten heidnischen Eierkämpfen und am Schaukeln.
Die alten lettischen Bräuche werden nicht nur in Museen gepflegt. Zu Winterbeginn wird um die Altstadt Riga herum ein Holzbalken getragen, danach wird er beim Tanzen und Singen verbrannt, dadurch befreit man sich symbolisch von allem Schlechten. Auch Sternsingen ist verbreitet. Beim Mittsommerfest Jani brennen fast auf jedem Hügel die ganze Nacht Feuer und klingen Ligo-Lieder. Doch es gibt nicht nur alte und echt lettische Bräuche. Ebenso verwurzelt sind auch Bräuche anderer Völker, z. B. Masleniza, ein Fest der Orthodoxen, das am Ende des Winters, sieben Tage vor dem Großen Fasten gefeiert wird. Dann biegen Markttische unter verschiedenen Leckereien, und das Wichtigste an diesem Fest sind Pfannkuchen und Kostüme, man muss sich unbedingt zur verkleiden oder sich in einen Pelzmantel einwickeln. Es gibt auch modernere Bräuche.
Die alten lettischen Bräuche können auch Besucher genießen. In Riga, im Ethnografischen Freilichtmuseum und andernorts werden nicht nur die alten Feste gefeiert, es ist auch möglich an den Bräuchen selbständig teilzunehmen und sich das alte Handwerk anzueignen. Vor Jani kann man die Bräuche und Lieder lernen, um beim Mittsommerfest den Zauber der kürzesten Nacht zu erleben. Im Ethnografischen Freilichtmuseum werden häufig alte Gewerbe vorgestellt, und jeder kann ein bisschen davon lernen.
Einen einzigartigen Wert in der lettischen Folklore stellen die bis heute bestehen gebliebene Dainas, bzw. Volkslieder dar, nirgendwo in der Welt gibt es etwas Ähnliches. Dainas sind Vierzeiler, die in andere Sprachen nicht genau übertragbar sind. Sie können sowohl lyrisch als auch scharfsinnig sein, sowohl philosophisch, Aphorismen ähnlich sein als auch eine jahrtausendalte Einstellung der alten Welt in sich tragen. Der Folklorist Krisjanis Barons leistete am Ende des 19. Jh. eine riesige Arbeit, er sammelte Dainas, systematisierte diese und ordnete auf Blättern niedergeschriebene Dainas in einen Schrank ein. Heutzutage ist der Dainas-Schrank mit mehr als zwei Mio. Dainas unser Nationalreichtum, die UNO-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur und die UNESCO hamen ihn in die Liste der mündlichen und geistigen Kulturerbes auf.
Seit 1873 finden in Lettland auch Gesangs- und Tanzfeste statt, bei denen Laienkunstgruppen aus allen Ecken Lettlands einmal in vier Jahren nach Riga ankommen, um sich in einem riesigen gemeinsamen Chor zu vereinigen oder Volkstänze zu tanzen. Die Besucher meinen, dass derjenige, der beim Singfest nicht dabei war, die geheimnisvolle Seele Lettlands nicht wirklich begreifen kann.
In den letzten Jahrzehnten ist es zur Gewohnheit geworden, in der Mitte des Sommers in alten Fischerdörfern an der Küste ein Fischerfest zu feiern, bei denen Früchte des Meeres genossen werden, Neptun verehrt und viel getrunken wird. Und in Riga, ist am Anfang des Sommers ein ungewöhnlicher Marsch „Go Blonde” schon zu einer Tradition geworden. An diesem Tag gehen mehr als tausend lettische Blondinen in einer typisch rosafarbenen Kleidung mit kleinen Hündchen auf die Straßen, um Geld für die Wohltätigkeit zu sammeln. Genauso kann als eine neue Tradition mit alten Wurzeln, der „Nacktlauf” in Kuldiga angesehen werden, wenn in der Mittsommernacht ein um die fünfzig vollständig nackte Wagehälse über die Alte Venta-Brücke laufen.












