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Holzarchitektur von Pardaugava (Deutsch: Überdüna)

Nur ca. zwanzig Minuten zu Fuß vom Stadtzentrum Riga entfernt, am linken Ufer des Flusses Daugava (deutsch: Düna) in Pardaugava, eröffnet sich Ihnen eine ganz andere Welt. Keine städtische Hektik, keine moderne Architektur, ganz im Gegenteil, ein Gefühl, als ob Sie in das 19. Jh. zurückgekehrt wären.

Dieses Gefühl verleiht die einzigartige Architektur von Pardaugava, die bereits während der Fahrt vom Flughafen in das Stadtzentrum durch die Kalnciema Straße zu sehen ist. An beiden Straßenseiten stehen Holzhäuser aus dem 19. Jahrhundert, die einen Klassizismus-Holzgebäudekomplex bilden, der sonst nirgendwo auf der Welt zu finden ist! Einstöckige und zweistöckige Holzhäuser, verziert mit feinen Details. Dabei gibt es in der Kalnciema Straße 23 Gebäude aus Holz, die glücklicherweise erhalten geblieben sind im Gegensatz zum Rest von Europa, wo im größten Teil der Städte  die Holzbauten bereits in den 70-er Jahren niedergerissen wurden, um Platz für modernere, jedoch unpersönliche Beton-, Glas- und Stahlbauten zu schaffen.

Der Holzgebäudekomplex in der Kalnciema Straße bildet nur einen Teil des einzigartigen Charmes von Pardaugava. Diese Gegend ist von kleinen, gepflasterten und sogar sandigen Straßen und Holzgebäuden geprägt. Jedes Haus ist atemberaubend und man wunder sich, wie so etwas bis zum 21. Jahrhundert in einer Metropole erhalten geblieben ist!

Die Bebauungsgeschichte von Pardaugava begann im Dorf Agenskalns, dessen Entwicklung am linken Ufer der Daugava im 17. Jahrhundert begann. Agenskalns war eine typische Vorstadt von Riga mit einer Holzbebauung, die im Fall eines Krieges niedergebrannt werden konnte, um somit die Bewegung des Feindes zu den gut befestigten Stadtmauern zu verhindern. Agenskalns wurde sogar zweimal zerstört – zuerst während des Nordischen Krieges und zum zweiten Mal im Jahre 1812, als die napoleonische Armee nach Riga kam und wegen strategischer Ziele sämtliche Vorstädte von Riga niedergebrannt wurden. Jedoch griff Napoleon Riga nicht an, Āgenskalns gewann sein Leben wieder und einen Teil davon können wir auch noch erleben. Z. B. ist zwischen den Straßen Nometņu, Slokas, Eduarda Smiļģa und Talsu immer noch die älteste Bebauung von Pardaugava aus dem 18. und 19. Jahrhundert mit dem damaligen Straßennetz erhalten geblieben. Dieser einzigartige Ort gilt als architektonisches Kleinod von Pardaugava und deren Besichtigung bringt Ihnen unvergessliche ästhetische Erfahrungen.

Das bedeutendste Objekt der Holzarchitektur von Pardaugava ist wohl der Gebäudekomplex in der Kalnciema Straße 37. Interessant ist der Fakt, dass sich dort noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts Dünen und ein Kiefernwald befanden, aber einige Jahre später schöne Holzgebäude erbaut wurden, die vor kurzem einen umfassenden Wiederaufbau erlebt haben. Hier befinden sich Büros und Studios und finden interessante Seminare sowie kreative Werkstätten statt, bei denen die Besucher bei der Herstellung von Geschenken mitmachen können. Hier hat einer der beliebtesten lettischen Köche, der attraktive TV-Gastgeber Martins Sirmais (Mārtiņš Sirmais), das gemütliche Restaurant "Māja" (Zuhause) eröffnet.

Die Aufmerksamkeit der Gäste verdient das Haus in der Kalnciema Straße 28/30. Das ist das kleine Hartmaņa-Landgut mit einem einstöckigen Wohngebäude mit einem Mansarddach und einem Mantelschornstein. Interessant sind auch das Wohnhaus in Daugavgrīvas iela 7 sowie die alten Holzhäuser in den Straßen Hermaņa, Ed. Smiļģa, Amālijas, Dobeles, Medus und Nometņu. In die Kalnciema Straße kommen Sie mit den Bussen Nr. 22 und 53 bis zur Haltestelle "Melnsila iela", oder, falls Sie die Holzbebauung von Agenskalns besuchen möchten, nehmen Sie die Straßenbahn Nr. 4 bis zur Haltestelle "Smiļģu iela".