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Jugendstil in Rīga

Rīga ist stolz auf ihre Architektur, insbesondere auf das architektonische Erbe des wunderschönen Jugendstils. Wenn Sie in Rīga sind, nutzen Sie die Gelegenheit sich diese Architektur anzusehen.

  • Jugendstil in Rīga
  • Foto: Vita Balckare
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Die Kunst- und Architekturkenner meinen, dass seinerzeit genau in Rīga der Bau der Jugendstil-Häuser einen grossen Boom erlebt hatte. Im Zentrum der Stadt Rīga sind ca 40 % der Gebäude im Judengstil gebaut worden. Mit Recht wird Rīga die Hauptstadt des Jugendstils genannt. Um die Altstadt Vecrīga, die Holzarchitektur und den Jugendstil von Rīga für die zukünftigen Generation zu erhalten, ist das historischen Zentrum von Rīga in die Liste des Weltkulturerbes von UNESCO aufgenommen worden.

In Rīga gibt es ca. 800 Gebäude im Jugendstil. Die meisten von denen befinden sich im Stadtzentrum von Rīga, in der Alberta iela und in dem so genannten Stillen Zentrum bzw. im Botschaftenviertel, wo jedes Gebäude sehenswert ist. Wenn Sie durch Rīga spazieren, schauen Sie nicht nur auf die Pflastersteine und in die Schaufenster, sondern heben Sie ihre Augen hinauf und – was für eine beeindruckende Architektur!

Hier – die interessantesten Jugendstil-Häuser!

  • Audēju-Straße 7, Altriga (1899, A. Ašenkampfs, M. Šervinskis). Das erste Jugendstilgebäude in Rīga mit den charakteristischen stilisierten Pflanzenmotiven (Iris, blühende Bäume, Rohrkolben) und Masken.
  • Audēju-Straße 9, Altriga (1900, K. Pēkšēns). Das Gebäude hat ein interessantes, für den Jugendstil charakteristisches Sonnenmotiv, welches das neue Leben symbolisiert.
  • Teātra-Straße 9, Altriga (1903, H. Šēls, F. Šēls). Dieses Gebäudes schmücken die mythologischen Gestalten Athena und Hermes. Das Schönste an dem Gebäude sind die Atlanten, die auf ihren Schultern die aus Glas und Zink hergestellte Erdkugel halten. Diese wird am Abend beleuchtet.
  • Vaļņu-Straße 2, Altriga (1911, E. Frīzendorfs). Besonders schön ist das Eingangsportal mit den beeindruckenden skulpturalen Reliefs. Die Gestalten aus altgriechischer Mythologie wurden aus Kupfer hergestellt. Asklepius (Gott der Gesundheit) und die Moira Atria (die Schicksalsgöttin) symbolisieren den Lauf des menschlichen Lebens, Gesundheit und Arbeit.  
  • Smilšu-Straße 2, Altriga (1902). Dieses Gebäude ist eins der besten Beispielen der Rigaer-Jugendstilarchitektur. Die Fassade schmückt ein Pfau, ein Symbol der Schönheit und des Selbstbewusstseins. Die Herma unter dem Erker wird als die schönste Frauengestalt in der Rigaer-Jugendstilarchitektur angesehen.  
  • Smilšu-Straße 8, Altriga (1902, H. Šēls, F. Šēls,). Ein Gebäude, das reich mit Masken, hybriden Gestalten und Pflanzenelementen geschmückt ist. Die beiden Portale schmücken die für den Jugendstil charakteristischen melancholischen Frauengestalten mit geschlossenen Augen. Der Schmuck im Korridor beim Eingang wird von Fachleuten als ein Beispiel der ornamentalen Jugendstil-Formen angesehen.
  • Tērbatas-Straße 15/17, Zentrum (1905, K. Pēkšēns). Eines der ersten Rigaer Gebäude im Stil des nationalen Romantismus mit einer ausdrucksvollen Silhouette, bei derer architektonischen Gestaltung verschiedene Baumaterialien verwendet wurden. Der Tuffstein in der Fassadegestaltung stammte auf Wunsch des Auftraggebers von den Bruchstücken des Staburags.
  • Brīvības-Straße 47, Zentrum (1909, E. Laube) Ein Denkmal des nationalen Romantismus mit einer dynamischen Komposition, mit in verschiedenen Höhen angeordneten Erkern, mit steilen betonten Dachflächen, hohen Giebeln und einer konusartigen Ecke.
  • Elizabetes-Straße 10a un 10b, Zentrum (1903, M. Eizenšteins). Die Gebäude werden von ungewöhnlich vielen üppigen Jugendstil-Ornamenten geschmückt. Das in mehreren dekorativen Elementen einbezogene Blätterfeder-Motiv im Gebäude Nr. 10a erinnert an den Arbeitsplatz von M. Eisenstein, er war Leiter der Straßenabteilung im Vorstand des Vidzeme-Gouvernements. Im Gebäude Nr. 10b wird besonders die Komposition der Masken, Pfauen, skulpturalen Köpfe und geometrischer Figuren im Fassaden-Kranz betont. Die Fassadeflächen in den oberen Etagen sind mit blauen keramischen Fliesen bedeckt. Das Treppenhaus ist üppig geschmückt.
  • Alberta-Straße 4 (1904, M. Eizenšteins). Das eleganteste und künstlerisch originellste Gebäude des eklektisch dekorativen Jugendstils. Über dem Sims befinden sich drei Medusenköpfe mit zum Schreien geöffneten Mündern (ein ähnliches Motiv gibt es im Gebäude der Wiener Sezession). Die Fassade endet mit Adler- und Löwenfiguren und ist mit geflügelten Löwenreliefs bedeckt. Das im Zentrum des Gebäudes befindliche beflügelte Relief mit einem Frauenkopf symbolisiert Sonne und Schutz.
  • Strēlnieku-Straße 4a, Botschaftsviertel (1905, M. Eizenšteins). Das Gebäude ist ein Beispiel des eklektischen, extrem dekorativen Jugendstils. Es ist sehr reich geschmückt. Die traditionelle historische Form wird von Jugendstilmotiven in verschiedenen Kombinationen geschmückt.

Die Liebhaber des Jugendstils sollten unbedingt das Jugendstilmuseum von Rīga besichtigen, das in der Wohnung des Architekten Konstantīns Pēkšēns eingerichtet ist - in einem von ihm entworfenen Haus in der Alberta iela 12. Seine Wohnung – angefangen von der Treppenvorhalle bis zum Geschirr im Wohnzimmer – ist ein perfektes Beispiel für Jugendstil. Im Museum kann man sich in die Eingenheiten des Jugendstil vertiefen und viel Überraschendes erfahren. Hier sei angemerkt, dass der Architekt Jānis Krastiņš, der weltweit anerkannte Experte des Jugendstils, in Lettland lebt und arbeitet.

Der Jugendstil (Jugendstil in Deutschland, Art Noveau in Frankreich, Modernismus in Spanien, Sezessionsstil in Österreich, Stile Liberty oder Stile Floreale in Italien) entstand in Europa zur Jahhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert und sein Siegeszug setzte bis zum Ersten Weltkrieg fort. Der Jugendstil in Lettland ist sehr eng mit der nationalen Romantik verbunden, darum ist in einem Teil der Häuser nicht nur das in Europa charakteristische Dekorativismus sondern auch die Verbindung zu den lettischen geistigen Traditionen zu sehen. Eižens Laube und Jānis Frīdrihs Baumanis, die Autoren der für die nationale Romantik charakteristischen Bauten, werden weiterhin als Bahnbrecher der nationalen Kultur betrachtet. Der Jugendstil ist durch einen ornamentalen Stil gekennzeichnet, der sich auf geschwungene Linien in asymentrischer Komposition und auf Rhythmen der irregulären Linien stützt. Die Hauptmotive sind die Natur, Bezüge auf die antike Kunst und Mythologie.

In der Architektur kommt Jugendstil mit der Funktionalität des Gebäudes und der reichlich dekorierten Fassade zum Ausdruck.  Dies wurde mit Hilfe aller Ausdrucksmittel der Architektur erreicht, angefangen von Formen der Fenster- und Türöffnungen, Erkern bis zu den Reliefs, Skulpturen, Ornamentenlinien oder –flächen und Vitragen. Für den Jugendstil ist aber nicht nur die Eingangsfassade von Bedeutung, sondern das Gesamtbild. Darum umfasst die „Architektur des Jugendstils” auch die Gestaltung der Innenräume, die Form des Geschirrs und Bestecks bis zu der Garderobe der Bewohner.