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Katolische Kirchen

Katholiken sind eine der größten christlichen Konfessionen Lettlands, sowie die Besitzer einzigartiger sakraler Kunstwerte. Den römischen Katholiken Lettlands gehört ein weltweit anerkannter heiliger Ort bzw. die Basilika von Aglona (lettisch: Aglonas bazilika), aber auch andere Gotteshäuser sind für ihre architektonischen und künstlerischen Werte bekannt.

Nach Angaben des deutschen Kanonikers und Chronisten Adam von Bremen fingen die Versuche, das Christentum im Baltikum einzuführen, schon im 11. Jahrhundert an, als 1070 nach Veranlassung des dänischen Königs in Kurland (lettisch: Kurzeme) die erste Holzkirche gebaut wurde. Unter dem Begriff „Christentum“ muss man in diesem Fall „Katholizismus“ verstehen, obwohl die erste christliche Nachricht nach Osten des Territoriums von jetzigem Lettland die russischen orthodoxen Missionare aus Polazk brachten. Im 13.

– 15. Jahrhundert bildete sich das Erzbistum Riga, dem 40 Gemeinden unterordnet waren, im Territorium von Livland (lettisch: Livonija).  Heute gibt es in Lettland mehr als 250 katholische Kirchengemeinden; in den Großstädten ist die Mitgliederzahl mehrstellig, in den Kleinstädten – gering, jedoch gerade in den kleinen Gemeinden Menschen mit dem stärksten Glauben zu finden sind.

Katholisches Lettgallen

Lettgallen (lettisch: Latgale) ist die Zitadelle des lettischen Katholizismus: Da sind die meisten Gemeinden und Gotteshäuser zu finden, wie auch befindet sich da die Basilika von Aglona (lettisch: Aglonas bazilika). Am 15. August jeden Jahres, am Tag der Mariä Aufnahme in den Himmel/Mariä Himmelfahrt, fließen hunderte Tausende von Pilgern aus dem ganzen Osteuropa nach Aglona. 1993 hat der Papst der römisch-katholischen Kirche Johannes Paul II. die Pilgerstätte von Aglona besucht und gesegnet.

Eins der typischsten Symbolen Lettgallens sind die Außen-Kruzifixe, die sowohl in den Dörfern, als auch vor den Einzelhöfen, wie auch einfach am Straßenrand aufgestellt sind. Jeden Frühling sammeln sich die Gläubiger vor den gesäuberten und geschmückten Kruzifixen, um sich dem Maigesang bzw. einer einzigartigen Volksliturgie zu widmen. Jedoch ist Lettgallen auch für diejenigen erstaunlich, die die schönsten Kirchen besichtigen wollen. Es gibt so viele, so prachtvolle und so herzliche: von Winzigen aus Holz bis hinzu großen, stolzen, weiß gestrichenen Zwei-Turm-Kathedralen.

Das schlagende Beispiel für die Barock-Architektur von Lettgallen ist die Römisch-Katholische Kirche von Krāslava. Nach dem Entwurf des italienischen Architekten Antonio Paracco wurde 1755 der Bau der katholischen Mauer-Kirche angefangen. Das Gebäude war ursprünglich als die Residenz des Bischofs von Inflanty geplant, aber, da Lettgallen dem Russland angeschlossen wurde, wurde dieses Vorhaben nicht verwirklicht. Die Hauptarbeiten wurden 1767 beendet. Das Altarbild des Gotteshauses „Svētais Ludviks dodas krusta karā” („Ludwig der Heilige zieht in den Kreuzzügen”) (1884, Jan Alojzy Matejko) ist ein Kunstdenkmal. Bei der Restaurierung des Altarbildes, 2003, wurde unter dem eine einzigartige Freske mit demselben Titel „Svētais Ludviks dodas krusta karā”, die von dem Pinsel vom Fllippo Castaldi geschaffen wurde, gefunden. Heute gibt es im Alter der Kirche von Krāslava zwei Gemälde: Der Werk von J. Matejko befindet sich am rechten Rand des Altars, aber die Freske ist an deren historischen Platz bzw. in der Mitte vom Altar zu sehen.

Auch die römisch-katholische Kreuzkirche von Pasiene, Landkreis Zilupe, wird als eine der beachtlichsten Kirchen nicht nur in Lettgallen, sondern auch in Lettland gesehen. Sie wurde 1761 mit der Unterstützung vom Graf Borch im polnischen Barock-Still erbaut. Ursprünglich war sie als eine dominikanische Klosterkirche gedacht. Sie ist bis heute sehr wenig verändert worden und kann auf ihren prachtvollen, im Rokoko-Still gestalteten Innenraum stolz sein. In der Kirche von Pasiene finden jedes Jahr das Festival der sakralen Musik und die Polnischen Tage statt.

Die 1848 – 1849 erbaute römisch-katholische St. Petrikirche von Daugavpils ähnelt sich architektonisch dem Petersdom in Vatikan. Aber die katholische Kirche von Berzgale (1750-1751), die in der unmittelbaren Nähe von Aglona liegt, ist eine für Lettgallen untypische, im Barock-Still gehaltene Holzkirche mit zwei Türmen. Die Innenausstattung ist vom 18. Jh. erhalten geblieben. Ein Architekturdenkmal staatlicher Bedeutung ist die im Barock-Still gebaute katholische St. Dreieinigkeitskirche von Dagda. Zu den Zeiten als Lettgallen den Namen der polnischen Inflanty trug, lebten die Hülsens, die reichsten und einflussreichsten Magnaten von Lettgallen, mit deren Unterstützung 1742 diese prunkvolle Kirche gebaut wurde.

Gotteshäuser aus Holz

Unvergessliche Eindrücke hinterlässt die Miniaturkirche bzw. die Ende des 17. Jahrhunderts gebaute katholische Johannes des Täufer Kirche von Indrica, die weit von den großen Straßen und an einem urwüchsig schönen Ort an der Mündung vom Fluss Indrica in die Daugava (ca. 20 km östlich von Krāslava) liegt.

Von höhen Lärchen eingeschlossen, erhebt sich eine der älteste Holzkirchen: eine scharmante Miniaturbaute. Vom Geld der Grafen Plater haben die einheimischen Handwerker die Kirche von Indrica gebaut. In ihrer Planungsweise sind die Absichten der Erbauer, sich an die Beispiele der klassischen monumentalen Architektur zu halten, klar zu erkennen. Die Schnitzwerke des zentralen Alters sind von den sog. Meistern der Holzschnitzer-Schule von Stelmuze bzw. Subate, die sich ihr Können im Selbstlernverfahren angeeignet haben. Die Präsenz einer unverfälschten Naivität in den Nachbildungen der Barockformen und –motiven verleiht ihrem Werk eine einzigartige Eigenart. Die Schnitzwerke stechen stark gegen das Gemälde „Sv. Marija Magdelēna" („St. Maria Magdalena“) (dritter Quartal 18. Jh.) oben im rechten Seitenaltar ab. Dieses Gemälde ist ein Meisterwerk der wahren Rokoko-Malerei.

St. Jakobikirche in Riga

Die beachtlichste katholische Kirche in Riga ist die St. Jakobikirche (lettisch: Sv. Jēkaba katoļu katedrāle), die neben dem Parlamentsgebäude der Republik Lettland (lettisch: Latvijas Republikas Saeima) liegt. Im Jahre 1125 wurde der Bau der St. Jakobikirche mit frühgotischen Formen angefangen. Diese relativ kleine Kirche hat einen ausdrucksvollen, schlanken Turm, der besser als die Anderen die den mittelalterlichen Kirchentürmen von Riga typische Pyramidenform erhalten hat. Heute ist die St. Jakobikirche die erzbischöfliche Kathedrale der Römisch-Katholischen Kirche.

Zuletzt aktualisiert: 
15.07.2014