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Lettische Saunakultur

Das Badehaus ist für die Letten nicht nur ein Ort der Hygiene, denn im Badehaus wird nicht nur der Körper, sondern auch der Geist gereinigt. Deshalb ist es in fast jedem lettischen Gästehaus möglich, unvergessliche Bade- und Saunarituale zu genießen.

Mitte des 18. Jh. gab es auf jedem Bauernhof, resp. in der ruhigsten und entferntesten Ecke eines jeden Bauernhofes ein Badehaus, denn dieses kleine Gebäude wurde nicht nur als Badeort benutzt, dort kamen in Ruhe und Stille auch die Kinder zur Welt. Als mit der Zeit jedes Haus warmes Wasser und eine Badewanne hatte, schien es, als wären die Badehäuser überflüssig. Doch die Menschen haben ziemlich schnell erkannt, dass Schwamm und Seife nicht ausreichen, um sich sauber zu fühlen.

Es fehlten die besonderen Baderituale, die nicht nur die Haut, sondern auch die Seele reinigen.  

In Lettland gibt es verschiedene Badehäuser, die klassischen, in denen der Ofen mit Holz geheizt und die Hitze durch heiße Steine aufrechterhalten wird sowie mit Strom beheizte Badehäuser oder Saunas, in denen die Steine nur eine dekorative Rolle spielen. Auf dem Lande gibt es manchmal auch noch die alten schwarzen Badehäuser zu sehen, in denen die Steine mitten im Badehaus liegen und darunter ein Feuer brennt. Die Wände eines solchen Badehauses sind schwarz vom Ruß, deshalb heißt es auch „schwarzes Badehaus”. 

Die Letten und Russen mögen am liebsten die sogenannten „Dampfbäder“. Die heißen Steine werden ab und zu mit heißem Wasser begossen, damit Dampf entsteht und die Luft feucht wird. Der erhitzten, schweißbedeckten Körper werden mit Badequasten geschlagen und gebadet. Als ideal gilt die Temperatur von 86 °C, doch der Körper muss sich an solch hohe Temperatur erst gewöhnen. Deshalb baden Anfänger sowie ältere Menschen bei einer viel niedrigeren Temperatur. Es gibt Männer, die der Meinung sind, dass ein richtiges Dampfbad 100 °C haben muss. Falls man sich an solche eine Temperatur langsam gewöhnt hat, auf dem Kopf eine dicke Bademütze und an Händen Handschuhe trägt, dann kann man nichts falsch machen.

Das Einzige, das unbedingt zur Verfügung stehen sollte, ist kaltes Wasser, um sich schnell abzukühlen. Am besten hat man gleich hinter dem Badehaus einen Teich, ein Schwimmbecken oder wenigstens eine kalte Dusche. Gerade der Unterschied zwischen heiß und kalt, der die Blutgefäße „stärkt”, härtet den Organismus ab und macht die Haut weich - und dies ist die hoch geschätzte Wirkung des Badehauses. 

Ebenso wichtig für Gesundheit und Wohlbefinden ist auch das richtiges Schwitzen, bei dem die Haut die abgestorbenen Hautzellen loswird, die Massage mit dem Badequast, die mit Aromatherapie verbunden wird (in der heißen und feuchten Luft duftet der Pflanzen-Badequast beinahe betäubend) und verschiedene Schönheitsbehandlungen, die zum Badespaß gehören. Auf all dies soll man sich aber gründlich vorbereiten. Zuerst braucht man das Badehaus selbst. Ein Badehaus verlangt eine nicht vernachlässigbare Investition, denn es besteht nicht nur aus einem Raum mit Schwitzbänken und Steinen, man braucht auch einen Erholungsraum, eine Dusche, ein Schwimmbad oder einen Teich.

Falls man dies alles hat, braucht man den Badequast, der im Sommer für das ganze Jahr vorbereitet werden sollte. Die beliebtesten sind Birken-, Eichen-, Linden- und Wacholder-Badequasten. Die erfahrensten Badewärter binden Badequasten aus verschiedensten Kräutern, sowohl für die Gesundheit, als auch für das Aroma und Energie. Im Sommer badet man mit frischem, vor kurzem gebundenen, im Winter dagegen mit getrocknetem und vor dem Baden eingeweichten Badequast. Sich mit Badequast schlagen kann jeder selbst, doch ist es angenehm, wenn man von einem wohlwollend gestimmten Badegenossen oder einem erfahrenen Badewärter geschlagen wird, der sich in allen Geheimnissen des Tätschelns, Umfächelns und Schlagens auskennt. Vor dem Schlagen sollte man sich aber darauf vorbereiten, das heißt, im Badehaus sitzen, rausgehen, sich abkühlen und dies alles mehrmals. Der Körper muss auf die extreme Prozedur des Schlagens langsam und richtig vorbereitet werden.

Wie weiß man, dass der Körper ausreichend erhitzt ist und mit dem Badequast geschlagen werden darf?

Ein gutes Zeichen sei, dass beim Sitzen auf der Schwitzbank von der Nasespitze Schweiß tropft. Wenn man sich einmal gebadet und abgekühlt hat, kann man sich etwas erholen und der Schönheitspflege widmen. Man kann eine gekaufte oder selbstgemachte Peeling-Creme (in Lettland werden diese aus verschiedenen Zutaten gemischt und zubereitet), Tonmasken oder Honig, Creme, Lotion, aromatische Öle auftragen......

Zuletzt aktualisiert: 
16.10.2014