A+
Beta

Livenküste (līvu krasts)

Die stillsten Strände an der Ostseeküste, einzigartige Natur- und Kulturschätze, hunderte Jahre alte Fischerdörfer von Liven kann man an der Livenküste oder Līvōd rānda in Nordkurland finden. Die Livenküste erstreckt sich ungefähr 50 km an der Meerenge von Irbe.

  • Livenküste
  • Foto: Dundagas TIC arhīvs

Die Liven sind eins der an der Ostsee lebenden finnougrischen Völkern, früher haben sie breite Territorien des heutigen Lettlands bewohnt, doch jetzt sind nur noch 12 Dörfer erhalten geblieben – Ovīši, Lūžņa, Miķeļtornis (dt. Pissen), Lielirbe, Sīkrags, Mazirbe (dt. Irben), Košrags, Pitrags, Saunags, Vaide, Kolka (dt. Kolken) und Melnsils. Die Livenküste hat 1991 den Status eines kulturhistorisch geschützten Gebiets bekommen, damit die Kultur und die Fischerdörfer der Liven, als auch die unberührte Natur – die sandigen Strände, die Kieferwälder - bewahrt werden können... Die Kultur der Liven erwacht besonders prächtig am ersten Wochenende im August, wenn die Vertreter dieses kleinen Volks aus ganz Lettland und aller Welt zum Livenvest nach Mazirbe zusammenkommen.

Geschlossenes Gebiet während der Sowjetzeit

Die Livenküste war jahrelang verbotene Zone, und zwar aus zwei Gründen – während der Sowjetzeit war hier die Westgrenze der UdSSR und für unbefugte Personen war die Einreise verboten, zum anderen erstreckte sich hier schon damals das Naturreservat von Slītere (Slīteres dabas rezervāts). Jetzt ist das Reservat zu einem Naturschutzgebiet geworden, wo in den Zonen mit strengem Status interessante Naturpfaden, Fahrradrouten, Aussichtstürme errichtet wurden, hier befinden sich auch verschiedenste Sehenswürdigkeiten, wie z. B. der Leuchtturm von Slītere, der Abhang der Blauen Hügel (Zilo kalnu krauja) von Šlītere, der Bootsfriedhof von Mazirbe, das Volkshaus der Liven in Mazirbe, der Kap Kolka (Kolkasrags), das Funkmessgerät von Irbene – Gebiete, die eine Besichtigung wert sind. Auf dem Bauernhof "Ūši" in der Nähe vom Kap Kolka bietet die Wirtin Dženeta Marinska Reisegruppen die Möglichkeit an, selber traditionelle livische Gerichte vorzubereiten – einen Brei namens Bukstiņbiezputra und einen besonderen Fladen namens Sklandrauši.

Über eine besondere Ausstrahlung verfügen die Dörfer Sīkrags, Mazirbe, Košrags, Pitrags, Saunags und Vaide – das sind alte Fischerdörfer, wo die Dorfstruktur erhalten geblieben ist, wo man immer noch die alte Kultur und Traditionen der Liven genießen kann. Die einzigartige alte Bebauung ist teilweise auch deswegen erhalten geblieben, weil die Regierung während der Sowjetzeit die Befürchtung hatt, dass man in Fischerbooten aus der Sowjetunion fliehen könnte, die Küstenfischerei beschränkt hat. Dann gelangten die nun nutzlosen Boote auf den Bootsfriedhof in der Nähe von Mazirbe, dort ist er immer noch zu sehen, er hinterlässt ein etwas gespenstiges Gefühl – alte, im Wald liegende Wracks... In Miķeļtornis kann man den Leuchtturm Miķeļbāka besichtigen, dessen Höhe 62 m erreicht und der 1884 erbaut worden ist, dieser Leuchtturm ist der höchste im Baltikum. Im Leuchtturm ist nach 277 Stufen in der Höhe von 56 m ein spezieller Aussichtsplatz eingerichtet worden.

Unberührte Natur

Die Livenküste ist dank ihrer Natur einzigartig. Mehr als 50 000 Touristen werden jährlich durch die „Regenwälder des Nordens“ ("Ziemeļu lietus meži") an der Urküste des baltischen Eissees, die Labyrinthe der skandinavischen Krieger und Betrüger, das Gebiet der Vogelmigration im Kap  Kolka, das Naturschutzgebiet von Slītere, das Naturschutzgebiet von Dižkalni und Raķupe, und andere unter Naturschutz stehende Naturgebiete angelockt. An der Livenküste findet man einzigartige, anderswo in Lettland nicht wachsende 29 Pflanzarten und 222 Pilzarten, in diesen Wäldern lebt immer noch der größte Käfer Lettlands - der Mulmbock (Ergates faber). Hier lebt auch eine in Europa verschwindende Vogelart – das Auerhuhn (Tetrao urogallus)

Eine einzigartige Sehenswürdigkeit ist der Kap Kolka – bereits jetzt ist er ein Tourismusreiseziel europäischen Maßstabs. In den letzten Jahren haben ihn auch die Liebhaber der Freizeitaktivitäten liebgewonnen – Surfer, Kitesurfer, Fahrradtouristen und Nordic-Walker. Die Küste des Kaps Kolka ist bemerkenswert, weil hier immer Wind weht.

Größtes Teleskop in Nordeuropa

Während der Reise durch die Livenküste empfehlen wir Ihnen, Irbene zu besuchen und das größte Radioteleskop in Nordeuropa zu besichtigen. Während der Sowjetzeit hat es das Militär zur Spionage verwendet, jetzt ist es für wissenschaftliche Zwecke umgebaut worden – man benutzt es, um die Sonne, entfernte Sterne und kosmische Strahlung zu untersuchen. Die Besucher können den 32 m hohen Turm besteigen, der sich über die Kiefern erhebt. Die Besichtigung muss jedoch vorher vereinbart werden, indem man Vita Auziņa unter der Telefonnummer 636 825 41 anruft. In der Zeit, wenn das Funkmessgerät in Betrieb ist, dürfen die Besucher den Turm nicht besuchen, und sie werden ihre Handys und andere elektronischen Geräte ausschalten müssen. Hier kann man sich zusätzliche Information über die Livenküste anschauen.