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Volkstümliche Feste

  • Fest Zemgali in Tervete

In Lettland sind Folklore und alte Bräuche sehr beliebt. Ein lettisches Fest mit der Teilnahme einer Volksmusikgruppe zu erleben, das hinterlässt einen tiefen Eindruck auf jeden Besucher.

Die sich für Folklore begeisterten Menschen sind mit Herz und Seele dabei. Nicht nur, um ihr Programm auf der Bühne durchzuspielen, sondern es ist ihre Lebensart und unabdingbarer Bestandteil ihrer Identität. Das fasziniert. Und für die Besucher, die Fotos machen und das für verschiedene Völker charakteristische Kolorit verewigen wollen, sind Folkloreveranstaltungen eine echtes Erlebnis. Auch für die Ohren ist es ein Genuss – sowohl das fesselnde Singen als auch der frohe Stimmenlärm in Cafés oder Kneipen, wo das Zusammensein sowohl die Festteilnehmer als auch die Zuschauer genießen. 

Folkloristen sind meistens geistreiche und interessante Menschen, die über eine harmonische Lebenseinstellung und gute Kenntnisse der Volksbräuche und der Geschichte verfügen. Die Gespräche mit ihnen werden Ihnen das Leben aus einer ganz anderen, nicht weniger schönen Sicht präsentieren. Das Internationale Folklorefestival „Baltica”, das größte Festival in der Baltischen Region, findet der Reihe nach in jedem der Baltischen Staaten und jedes drittes Jahr in Lettland statt. Das letzte Festival fand 2009 statt, das Nächste folgt im Jahr 2012. Die Volksmusikgruppen nehmen auch am Gesangs- und Tanzfest sowie an kleineren Folklorefestivals in verschiedenen lettischen Städten und kleinen Gemeindebezirken teil.

So findet z. B. alljährlich am dritten Oktobersamstag im Kulturhaus Marinkalns des Gemeindebezirks Ziemeri, im Gebiet Aluksne, ein traditionelles Sprach- und Folklorefest statt. Auch in anderen Gemeindebezirken mangelt es nicht an ähnlichen Veranstaltungen, bei denen Volksmusikgruppen aktiv tätig sind. Populär ist auch das Kinderfolklorefestival „Pulka eimu, pulka teku”, das überall in Lettland stattfindet.

Interessante Eindrücke, von der authentischen Vorführung mittelalterlicher Kampfkunst bei Saule in Originalkostümen bis zum Ethnorock, kann man auf dem Festival „Baltijas saule” gewinnen, das dem Gedenktag der Schlacht bei Saule, der Herbstsonnenwende und der Baltischen Einheit gewidmet ist. Dieses Festival findet in Riga auf der Insel Zakusala statt und Sie treffen hier viele Jugendliche, Folkloristen, Geschichtsfans und historische Fechtgruppen.

Am zweiten Augustsamstag beginnt in Tervete das Fest Zemgali. Dort wird eine alte Siedlung gebaut, wo Volksmusikgruppen und historische Fechtgruppen aus Lettland, Litauen, Estland, Weißrussland, Russland und Finnland das Leben im 9. - 13. Jh., Kämpfe der Semgallen und Kreuzritter vorführen. In diesen zwei Tagen ist es möglich, in einer besonderen Atmosphäre verschiedene Vereine der Geschichtsfans zu treffen sowie altes Handwerk selbst auszuprobieren und historische Schwertkämpfe zu beobachten.

Das Fest Zemgali findet im Naturpark Tervete statt, der den europäischen Preis für besondere Reiseziele „EDEN” erworben hat. Dieser Park wurde u. a. von Auslandsgästen sehr hoch bewertet.

Das Fest und die Folklore genießen kann man auch während der traditionellen Feste, z. B. Jani, das in Lettland am 23. Juni gefeiert wird. Bereits eine Woche vorher beginnen die Feierlichkeiten unter Teilnahme verschiedener Volksmusikgruppen sowohl in großen Städten als auch in kleinen Gemeindebezirken und Einkaufszentren. Doch die besten Eindrücke wie Jani gefeiert wird, kann man nur in Gesellschaft einer Volksmusikgruppe gewinnen.

Das alte russische Fest Masleniza sollte am besten zusammen mit der Volksmusikgruppe aus Riga „Iljinskaja pjatniza” genossen werden. Die Gruppe konnte sich in das lettische Folkloreleben eingliedern und gleichzeitig die eigene Identität behalten, z. B. während des traditionalen Balkenziehens zu Weihnachten durch die Altstadt Rigas.

Unter Folkloristen gibt es viele Gottesträger, bzw. Bekenner von lettischen Ethnoreligion. Folkloristen und Gottesträger versuchen zusammen das vollständige Verständnis desjenigen Gottes wiederherzustellen, der sich im Unterschied zur christlichen Glaubenslehre nicht auf die Angst vor dem Gottesgericht gründet, sondern Gott als eine liebende, überall anwesende Macht vorstellt. Jedoch gibt es unter den Folkloristen viele Christen, besonders im östlichen Teil Lettlands, in Latgale, wo sich die alte Gottesbotschaft mit den katholischen Traditionen vermischt hat.

Auch im westlichen Teil von Kurzeme haben sich im katholischen Gebiet Suiti interessante volkstümliche Bräuche entwickelt. Eine der ältesten lettischen Volksmusikgruppen Suitu sievas, die bereits 1924 zum ersten Mal zusammen musiziert hat, ist nicht nur durch das Bordunsingen, sondern durch scharfsinnige Lieder und treffende Sprache bekannt. Die Frauen tragen schöne Trachten, deren unabdingbarer Bestandteil eine große Schließe (bis zu 15 cm im Durchmesser) und in mutigen Farben gewobene Socken mit interessanten Mustern ist. 2004 fand in Alsunga das erste internationale Bordunfestival statt, dieses Jahr im Mai war es bereits das dritte. Das für die Suitu sievas charakteristisches ēēēēēōōōōō-Singen wird in der wissenschaftlichen Terminologie Bordun genannt. Bordun ist eine der ältesten Arten der Mehrstimmigkeit in der traditionellen Musik (sowohl Vokal- als auch Instrumentalmusik), die man nicht aus Noten lernen kann. Sie wurzelt bereits in der vorchristlichen Kultur und ist noch heute als lebendige Tradition im Baltikum, auf dem Balkan, in den Karpaten, in Georgien und auf der Pyrenäenhalbinsel anzutreffen.