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Tourist-Informationszentrum von Dundaga (Dondangen)

Die Region Nord-Kurland hat ein besonderes kulturhistorisches Merkmal – dieses Gebiet ist das letzte von Liven dicht besiedelte Territorium. Wissenschaftler meinen, daß die steinernen Grabhügel, die im Beginn des 1. Jahrtausends zu datieren sind und für die baltisch-finnische Kultur typisch sind, ein Beweis für die Anwesenheit der Vorfahren der Liven in dieser Gegend sind.

Die Region Nord-Kurland hat ein besonderes kulturhistorisches Merkmal – dieses Gebiet ist das letzte von Liven dicht besiedelte Territorium. Wissenschaftler meinen, daß die steinernen Grabhügel, die im Beginn des 1. Jahrtausends zu datieren sind und für die baltisch-finnische Kultur typisch sind, ein Beweis für die Anwesenheit der Vorfahren der Liven in dieser Gegend sind.

Die ersten Angaben über kurländische Liven sind in Schriftquellen des 14. Jahrhunderts zu finden. Jedoch der Meinung der Forscher nach, die sich mit dieser Frage besonders beschäftigen, haben die Liven bereits im 12. – 13. Jahrhundert gemischt mit den Kuren in diesem Gebiet gelebt.

Das Entstehen von Ansiedlungen an der nord-kurländischen Küste wird im 14. – 15. Jahrhundert datiert, was mit der Zeit der Bildung des Rittergutes Dondangen übereinstimmt. Im 16. Jahrundert gehörten die livischen Dörfer der kurländischen Diözese. Im Jahr 1795 wurde die livische Küste in dem Gouvernement Kurland eingeschlossen. Zu dieser Zeit war die livische Küste zwischen zwei deutschen Gutsbesitzern bereits geteilt worden. Die Küste von der Mündung des Flusses Lūžupe bis zur Mündung des Flusses Irbe gehörte dem Gutsherrn v. Behr aus Pope (Poppen), aber die Küste von Jaunciems (Neuendorf) bis zu Roja (Rohjen) gehörte dem Gutsherrn v. Osten-Sacken aus Dundaga (Dondangen).

Im Gegensatz zu anderen livischen Territorien – den livischen Siedlungsgebieten an den Flüssen Daugava (die Düna) und Gauja (Livländische Aa), in Metsepole und Turaida (Treiden), wo man über die Anwesenheit der Liven nur bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts sprechen kann, lebten die Liven an der Küste der Halbinsel Kurland als kleine, dicht wohnende ethnische Gruppe bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts.

In der Zeit des ersten Freistaats Lettland von 1918 bis zum Zweiten Weltkrieg führten die Fischerdörfer aktives wirtschaftlisches und kulturelles Leben. Als ein Kulturzentrum galt damals Mazirbe (Klein Irben). Die aktivsten Persönlichkeiten des kulturellen Lebens haben im Jahr 1923 die gesellschaftliche Organisation „Līvu savienība” („Der Verband der Liven”) gegründet. Auf Anregung des Verbandes und mit der Hilfe der verwandten Völker – Finnen, Esten un Ungarn – wurde das Volkshaus der Liven in Mazirbe gebaut.

Während der Sovjetzeit galt die Ostseeküste von Ventspils (Windau) bis zu Kolka (Bakenhof) als „gesperrtes Gebiet”. Da waren die Militärinteressen der Sowjetischen Union konzentriet, und die Bewegung von Zivilpersonen wurde begränzt. Wegen dieser Begränzung, sowie auch infolge des durch die Regierung aufgedrängten Wirtschaftsmodells – die Abschaffung von Einzelgehöften und Entwicklung von Kolchosen-Zentren – wurden die Einwohner gezwungen, ihre Wohnsitze zu verlassen und in andere Orte zu übersiedeln. Kolka wurde das Kolchos-Zentrum. Die alten Fischerdörfer wurden nur noch von alten Menschen bewohnt. Derzeit ist Kolka das einzige livische Dorf, das sich innerhalb von letzen fünfzig Jahren entwickelt hat. Nach der Erlangung der Unabhängigkeit wurden mehrere Privatunternehmen für die Fisch-Verarbeitung auf Basis von Kollektivwirtschaften gegründet. Von diesen Unternehmen werden die meisten Arbeitsplätze in Kolka sichergestellt.

Paradoxaler Weise hat die durch die Sowjetmacht geschaffene Isolation zur Bewahrung der materiellen Kultur der livischen Dörfer beigetragen. Leider wurde die Austilgung der traditionellen Wirtschaftsweise und geistlichen Kultur der Liven allerdings vorgenommen. Das Livisch kann man in Dörfern nicht mehr hören, aber unter dem Einfluß der livischen Sprache ist eine Mundart des Lettischen entstanden, die viele Einvohner von Nord-Kurland noch heutzutage sprechen.

In livischen Dörfern an der Ostseeküste haben sich Gebäude und sogar die Besiedlungsstruktur einiger Dörfer aus dem Ende 19.  – Beginn 20. Jahrhundert bewahrt. Durch die Dörfer führt ein Waldweg von Kolka nach Sīkrags, der von Einheimischen der alte Weg von Mazirbe genannt wird. Der neue Weg wurde in 50en Jahren für die Bedürfnisse der Armee gebaut, heute wird er für den Verkehr zwischen Kolka un Ventspils benutzt. Der alte Weg von Mazirbe ist, wiederum, für Radler besonders geeignet. Die eigenartige Aura von livischen Dörfern ist am besten während einer 1 bis 2-tägigen Velotour zu fühlen. Zu gleicher Zeit können die Touristen die Natur in dem Nationalpark Slītere beobacten.

DIE SPRACHE
Die Mundart der Einwohner von Nord-Kurland, die der tāmnieku Dialekt genannt wird, verratet unverkennbare Präsenz des Livischen in diesem Region.

Wenn ein kleines Volk neben einem größeren und stärkeren Volk lebt, kann es seine Sprache vergessen und die Sprache des anderen Volkes übernehmen, manchmal auf einer seltsamen Weise. So ist der tāmnieku Dialekt der lettischen Sprache entstanden: zuerst lernten die Liven Lettisch zu sprechen, danach hatte wohl ein großer Teil der Letten dieses gebrochene Lettisch für besser als seine Muttersprache gefunden und fing an, tāmnieku Mundart zu sprechen, das heißt, in der lettischen Sprache nach den Regeln der livischen Sprache zu reden.

Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts ist die livische Sprache als ein Kommunikationsmittel verschwunden. Nach dem Ersten Weltkrieg bildeten sich in livischen Dörfern viele gemischte Familien, die im Alltag Lettisch sprachen. Die Auswahl der Sprache wurde auch durch dem Faktor bedingt, daß es keine Schulen mit der livischen Sprache als Lehrsprache gab. Die junge Generation der Liven musste lernen, um sich in das Leben des neuen Staates zu integrieren. Gemäß Daten der Volkszählung des Jahres 1935, war die etnische Zusammensetzung und die Sprachfertigkeit in livischen Dörfern wie folgt: in den 12 livischen Dörfern an der kurländischen Küste mit insgesamt 2746 Einwohnern hielten sich 892 Personen für Liven, 790 Personen konnten die livische Sprache, nur noch 215 Personen sprachen Livisch im Alltag.

Heute gibt es mehrere Dutzend Personen, die die livische Sprache verstehen und sprechen, jedoch nur für einige hochbetagte Menschen ist das Livisch die Muttersprache.

Līvõ kultūr sidām (Das Kulturzentrum der Liven): www.livones.lv

Coordinates:
57.510522, 22.35645
An alternative description

Dundagas novads, Dundaga, Pils iela 14 Dundagas pils, LV-3270
+371 63232293
+371 29444395
Sprachen: 
Zuletzt aktualisiert: 
11.07.2014