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Lettische Kultur und Traditionen

Bei der Wahl eines Reiseziels gehören Kultur und Traditionen des besuchten Landes zu den Dingen, die jeder näher erfahren möchte. Jedes Land hat eine besondere Kultur, Symbole und Bräuche, die es einzigartig machen. Auch Lettland ist hier keine Ausnahme. Falls Sie eine Reise nach Lettland vorhaben, planen Sie Zeit ein, die vielseitige lettische Kultur und die altertümlichen Traditionen kennen zu lernen, die über all die Jahrhunderte Lettland zu dem gemacht haben, was es heute ist.

Die sorgfältig erhaltenen und gepflegten Traditionen und die Möglichkeit diese zu erleben, ziehen sowohl die Einwohner Lettlands, die hierdurch ihr Verständnis und ihr Wissen erweitern, als auch Gäste aus der ganzen Welt an. Sei es nun ein Fest, ein Blick mehrere hundert Jahre in die Vergangenheit, das Erkunden altüberlieferter Kultur oder das Umlegen des Gürtels von Lielvārde – es ist eine Reise durch die Zeit, Kultur und die Werte unseres Landes. Lassen Sie sich uns auf den Weg machen!

Līgo svinības

Līgo-Fest

Das Līgo-Fest oder Johannistag (lettisch- Jāņi) gehört zu den traditionsreichsten lettischen Festen. Es wird jeden Sommer am 23. Juni gefeiert und ist das Fest der Sommersonnenwende - die Tage werden kürzer und die Nächte länger. Dem Johannistag liegen alte heidnische Feste zugrunde, die zwischen der Aussaat und Ernte gefeiert wurden. Heute ist es ein Fest, das uns an die alten Traditionen erinnert. Dazu gehören das Sammeln von Kräutern auf blühenden Wiesen, das Flechten von Kränzen, Feuer entzünden und über diese springen und sowie das Suchen der Farnblüte.

Zum Līgo-Fest ist Blütezeit: im Juni blühen in Lettland die Wiesen, Getreide, Kartoffeln, Erbsen und Bohnen, und aus diesem Grund wird das Fest auch Kräuterabend oder Kräutertag genannt. In der hiesigen Kultur haben jede Blüte und jedes Kraut eine eigene Verwendung sowohl in der Volksmedizin als auch beim Wahrsagen, Dekorieren, Verschenken und Flechten von Kränzen. Eine besondere Bedeutung hat bei diesem Fest die Johannisnacht (vom 23. auf 24. Juni) - die kürzeste Nacht im Jahr, in der man laut den Traditionen wach bleiben sollte, denn es heißt - wer in dieser Nacht schläft, der schläft den ganzen Sommer durch. Die Frauen sollten am Johannismorgen ihr Gesicht im Tau waschen, um schön zu sein, und die Männer sollten am Morgen durch den Tau gehen, damit Geld in die Stiefel fällt.

Nach so vielen Aktivitäten darf auch ein reichliches Essen nicht fehlen. Die festlichen Mahlzeiten sind ohne Johanniskäse, Speckkuchen und Bier gar nicht denkbar. Am besten kann man dieses Fest verstehen, wenn man es so erlebt, wie die alten Letten es gefeiert haben - voller Traditionen!
Brīvdabas muzejs

Das Lettische ethnografische Freilichtmuseum

Die beste Art die lettische Geschichte, Traditionen und die alten Handwerksberufe kennen zu lernen, ist diese im Lettischen ethnografischen Museum in Riga hautnah zu erleben. Dort kann sich in die traditionelle Lebensart der lettischen Bauern, Handwerker und Fischer hineinversetzt werden, alte Gebäude und Ausstellungen besucht sowie sich in traditionellen Berufen versucht werden, beispielsweise im Drehen. Das Museum wurde 1924 gegründet und nimmt heute eine Fläche von 87 ha am Juglas-See in Riga ein. Einen besonderen Wert stellen die für die vier kulturhistorischen Gebiete Lettlands - Kurzeme, Zemgale, Vidzeme und Latgale (Kurland, Semgallen, Livland und Lettgallen) charakteristischen Bauernhöfe, Handwerker-Werkstätten, Windmühlen, Schmieden, Töpfer- und Teeröfen dar.

In diesen Gebäuden kann man sich die Ausstellungen des Museums ansehen, die die verschiedenen Epochen, die Region und die Beschäftigung der Hausbewohner thematisieren. Darüber hinaus ermöglicht das Museum nicht nur einen Blick in vergangene Zeiten, es finden dort auch regelmäßig verschiedene Aktivitäten statt - in den Werkstätten arbeiten Handwerker, es werden lettische Feste gefeiert, in den Ausstellungsräumen gibt es Arbeiten der volkstümlichen angewandten Kunst und Werke aus der Sammlung des Museums zu sehen.

Jūras krasts

Livenküste

Obwohl das lettische Gebiet hauptsächlich von den baltischen Völkern besiedelt wird, lebt in einzelnen Küstengebieten von Vidzeme und Kurzeme eine kleine Gruppe eines finnougrischen Volkes - die Liven. Die jahrhundertealten livischen Fischerdörfer an der Livenküste können in Nordkurland entlang der Irbenstraße besichtigt werden. In dem 50 km langen Küstengebiet sind das einstige kulturelle Umfeld der Liven, sandige Strände und Kieferwälder enthalten geblieben.

Hier hat der einzigartige Kulturraum der Liven, dem die livische Sprache, ihre alten Traditionen und ihre eigene Denkweise zugrunde liegen, sein Zuhause gefunden. Livische Spuren sind auch in der modernen lettischen Kultur sichtbar – Liven und das livische Erbe werden als Motive in der Literatur, Musik, in Theateraufführungen und Kunstwerken genutzt. Auf welche Weise kann man das Leben der Liven und ihre Spuren in der lettischen Kultur am besten verstehen?

Besuchen Sie die Liven! Der beste Zeitraum dafür ist das erste Wochenende im August, wenn sich die Vertreter dieses kleinen Volkes - die Liven zum Livenfest versammeln.

Suitu sievas

Die Suiti in Alsunga

Es heißt, die Suiti seien einzigartig! Davon kann sich jeder selbst überzeugen und diese alte Kultur kennen lernen. Der Kulturraum Suiti im Westen von Kurland ist für seine einzigartigen Traditionen, den Suiti-Dialekt und die besonderen Speisen bekannt. Der Kulturraum der Suiti ist die für die Identität der Suiti-Gemeinschaft wichtige Gesamtheit der kulturellen Traditionen, zu dem die kurländischen Gemeinden an der Ostsee - Alsunga (deutsch - Alschwangen), Basi, Gudenieki und Jūrkalne gehören.

Die auffällig farbige Volkstracht der Suiti-Frauen (lettisch - Suitu sievas) unterscheidet sich von anderen lettischen Volkstrachten, die überwiegend in gedeckten Tönen gehalten sind. In der Volkstracht der Suiti spiegeln sich ihr Stolz und Selbstbewusstsein und ihr Wunsch bemerkt zu werden wider. Farbenfroh - orange, rosa, rot und gelb - sind alle Bestandteile der Volkstracht: die wollenen Umlegetücher (lettisch - villaine), Röcke, Jacken und Tücher. Wenn die Suiti-Frauen bemerkt werden, werden sie auch gehört. Bei ihrem charakteristischen, mehrstimmigen Bourdon-Gesang werden von einer Sprecherin Texte (Vierzeiler) vorgetragen und diese werden von Gesang in gleicher Tonhöhe begleitet. In Lettland ist dieser Gesang am langen, gleichbleibenden Grundton zu erkennen - einen gedehnten Vokal „ē” (oder „ō”). Die von den Suiti-Frauen gesungenen Lieder sind Spott- und Scherzlieder, die humorvoll von verschiedenen Alltagssituationen erzählen. Darüber hinaus sprechen die Suiti ihren eigenen lettischen Dialekt, er wird sowohl in den Volksliedern als auch im Alltag verwendet.

Der Besuch eines Suiti-Hofes sollte auf jeden Fall mit der Besichtigung der Steilküste von Alsunga und Jūrkalne verbunden werden – das sind die Gebiete, in denen die Suiti jahrhundertelang gelebt haben. Dort könnten Sie am Ufer der Ostsee auch ihren berühmten Sprechgesang selbst ausprobieren!
Lielvārdes josta zālē

Gürtel von Lielvārde

Die lettische Kultur ist reich an Traditionen. Es gibt jedoch etwas ganz Besonderes, das jeder auch nach Hause mitnehmen kann! Hierbei handelt es sich um den Wickelgürtel von Lielvārde. Er ist nicht nur ein einzigartiger Schmuck, sondern auch eine exzellente Handarbeit lettischer Weberinnen. Sein Muster bildet im Wesentlichen eine Kombination aus Rot und Weiß, in der Mitte oder an den Rändern findet man grüne oder seltener blaue oder violette Fäden. Die Motive und die geometrischen Ornamente wiederholen sich nicht. Gewöhnlich ist der Gürtel 10 cm breit und bis zu 3 Meter lang.

Obwohl jedes lettische Gebiet eine charakteristische Volkstracht, unterschiedliche Farben und Ornamente hat, ist gerade der Gürtel von Lielvārde zur Grundlage für den modernen Mythos über die Herkunft der alten Ornamente geworden. Manchmal wird dem Gürtel und dessen Mustern sogar besondere Schutzkraft nachgesagt. Wegen der vielfältigen Muster und den damit verbundenen mythischen Legenden ist der Gürtel von Lielvārde zu einem einzigartigen und modernen lettischen Kulturwert geworden.

Das dem Gürtel eigene Muster ist eins der lettischen Symbole; seine Elemente lassen sich auf Mützen, Schals, Handschuhen, Stoffen, auf Schmuck, in der Töpferei und sogar bei Tätowierungen wiederfinden. Ein Motiv des Gürtels wird auch in den lettischen Reisepässen verwendet.

 

Lernen Sie Lettland, die lettische Kultur und Traditionen auf ihrer nächsten Reise kennen!

Zuletzt aktualisiert: 
30.03.2022