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Sowjetische Hinterlassenschaften

Die Hinterlassenschaft der Architektur der sowjetischen Zeit wurde für ihre Eintönigkeit getadelt, trotzdem ist das ein historisches Zeugnis von einer Beziehung zwischen Macht und Gesellschaft. Darüber hinaus ist der erste Eindruck täuschend – jede Dekade ist stolz auf das Einzigartige, das nur ihr eigen ist.

Die Nachkriegszeit – die Monumentalität

In den größten Städten Lettlands, ähnlich wie in anderen Republiken der ehemaligen Sowjetunion, sind die Beispiele der sogenannten stalinistischen Architektur anzutreffen – in Russland waren solche Häuser schon seit den 30-er Jahren des 20.Jahrhunderts bekannt, bei uns begann der Bau gleich nach dem Zweiten Weltkrieg mit öffentlichen Gebäuden und Wohnhäuser für die sowjetische Elite.

Diese Gebäude sollten in der Bevölkerung Ehrgefühl und Begeisterung wecken und die Idee von der Langlebigkeit der Sowjetunion präsentieren.

Das musste aber ohne überflüssigen Prunk gemacht werden, denn das wurde als Laster der Bourgeoisie der Vergangenheit betrachtet.

Das Gebäude der Akademie für Wissenschaft

Das herausragendste Besichtigungsobjekt aus den 50-er Jahren in der Hauptstadt der Republik Lettland Riga ist das Gebäude der Akademie für Wissenschaft.

In diesem hervorragenden Beispiel der Anfangsetappe der sowjetischen Architektur wird heutzutage angeboten, die in einer Höhe von 65 Metern eingerichtete Aussichtplattform zu besuchen.

Die Stadt Seda

In der  Nord-Vidzeme, im Kreis Strenci liegt die Kleinstadt Seda. Zwischen den Wohnhäusern, die in späteren Dekaden gebaut wurden, heben sich besonders die in den 50-er Jahren gebauten gelben Häuser hervor, die mit der Symbolik der Stalin-Zeit geschmückt sind. Gerade Seda ist der Ort in Lettland, wo die Architektur der Stalin-Zeit am stärksten konzentriert ist.

Die Hinterlassenschaft des Bau-Booms der 60-er Jahre

In den 60-er Jahren des vorigen Jahrhunderts trafen in Lettland Einwohner aus anderen Republiken der Sowjetunion ein, die hier am Bau von Wasserkraftwerken, in den Produktionsstätten und in den Strukturen der Staatssicherheit beschäftigt wurden. Alle diese Menschen mussten mit einer Wohnung versorgt werden. Es begann der Bau von Wohnbezirken.

In der zweiten Dekade wurden in dem von der Sowjetunion besetztem Lettland mehrere Denkmäler errichtet, darunter auch das Memoriale Ensemble Salaspils, das als Gedenkstätte an die Opfer der Konzentrationslager des nazistischen Deutschlands geschaffen wurde.

Nicht nur als Objekt der Wissenschaft bemerkenswert, sondern auch als eine Perle der Architektur der 60-er Jahre ist das astrophysische Observatorium in Baldone. Hier befindet sich das größte Teleskop des Baltikums, das noch heutzutage funktioniert.

Die Militär-Objekte

In den abgelegensten Regionen sind verlassene "Militär-Städtchen" zu finden – in diesem Milieu, das speziell für Militär-Strukturen des Staates eingerichtet wurde, haben in einem einheitlichen Komplex die Bewohner gelebt und gearbeitet.

Die bekanntesten von diesen sowjetischen Militär-Komplexen in Lettland sind:

  • Die Radaranlage in Skrunda, deren Hauptaufgabe es war, das Weltall über Westeuropa und Nordamerika zu kontrollieren sowie die Verteidigung gegen ballistische Raketen, die gegen die Sowjetunion gerichtet würden;
  • Die Radaranlage in Irbene – eines der geheimsten Objekte der sowjetischen Armee, wo in den Jahren des Kalten Krieges Militaristen die NATO-Länder ausspioniert haben, indem sie Telefongespräche abgehört haben;
  • Die Nuklear-Raketenbasis Zeltini, hier wurden in den Hangars  Raketen und Startanlagen gelagert, auch gab es Systeme von Bunkern, unterirdische Tunnel und Wohnhäuser.

Nachdem die Sowjetunion zerfallen war und die sowjetische Armee Anfang der 90-er Jahre das Territorium Lettlands verlassen hatte, ist das Leben in den Militär-Städtchen stehengeblieben. Außer der Radaranlage in Irbene, die man in Begleitung eines Fremdenführers besuchen kann, sind die verlassenen Gebäude aus Sicherheitsgründen nur von außen zu besichtigen.

Die 70-er Jahre – spektakuläre Beispiele des Modernismus

In dieser Dekade wurde das Gebäude des Okkupationsmuseums gebaut, wo sich in der sowjetischen Zeit das Museum der roten lettischen Schützen befand, das nur zu Propaganda-Zwecke der einzigen Macht-Partei, der kommunistischen Partei diente, insbesondere zur Erziehung der Jugend im Geist des Kommunismus.

Viele von den in den 70-en Jahren gebauten Objekten weisen einen starken Einfluss des Modernismus auf, als herausragende Beispiele sind das Dailes-Theater und die Bahnstation Dubulti in Jurmala zu erwähnen, in der seit 2015 im Warteraum eine Exposition zeitgenössischer Kunst eingerichtet ist.

In dieser Zeit entstand auch das Hotel "Latvija" und das Sanatorium "Rigas Jurmala" (jetzt „Baltic Beach Hotel & SPA”), beide haben im Laufe der Zeit umfangreiche Modernisierungen durchlebt.

Die letzte Dekade der sowjetischen Architektur – die 80- er Jahre

Die Hauptstadt Lettlands, Riga, ist kaum vorstellbar ohne diese Objekte, die alle in den 80-er Jahren des vorigen Jahrhunderts entstanden sind:

In dieser Dekade wurde auch der umfangreiche Bau der Bob- und Rodelbahn Sigulda umgesetzt.

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Zuletzt aktualisiert: 
04.12.2017